USA-Tagebuch unserer Schüler
- 11.04.2026
„Werken“ einmal anders
- „Industrial Tech“ in der Schule
Das praktische Lernen an einer amerikanischen Highschool kann durch ein Kurssystem viel tiefgreifend umgesetzt werden. Nicht nur können sich hier die Schüler nach eigenen Interessen in Kurse einwählen, sie können sich damit spezifisch auf eine kommende Ausbildung, Studium oder Job vorbereiten. Der hier an der Wapello Highschool unterrichtende Lehrer ist Michael Horton.

Dieser bereitet die Schüler mit einem weitgefächerten und interessanten Kursangebot auf die Arbeitswelt vor. So bauen seine Kurse, obwohl er praktische und theoretische Kurse getrennt voneinander unterrichtet, inhaltlich aufeinander auf. So starten die Schüler beispielsweise in seinem Kurs „Drafting 1 and 2“ (entspricht in etwa Technischen Zeichnen) mit dem Entwurf und der Berechnung geometrischer Strukturen und Figuren, welche sie durch präzise Gestaltung und Winkelberechnung in 2D und 3D auf Millimeterpapier skizzieren. Herr Hoffmann gefiel besonders, dass diese Grundlagen händisch und noch ohne Computer umgesetzt werden und erst danach zur Produkterstellung mit der Computertechnik übernommen werden. Verblüffend ist hier, dass diese berechneten Parameter durch 3D Druck Technik dann direkt vor Ort gedruckt werden können, um zu sehen, ob alle Winkelberechnungen und Flächenstrukturen tatsächlich passen. Prozessorientiertes Lernen per se – wir sind begeistert!




Erstaunt sind unsere Gastschüler zudem über das Angebot der Kurse. Mr Horton, dessen Familie seit Generationen im Dirt Track Racing aktiv ist, möchte lebensnahen Unterricht ermöglichen und bietet dafür z.B. die „Small Engines Class“. Hier werden Motoren verschiedenster Größe auseinandergebaut und an den tatsächlichen Bauteilen erklärt. Die vorhandenen Motoren werden zumeist von regionalen Fachhändlern gesponsert. Meist sind diese Motoren ausgemustert und defekt, aber für die Schule als praktisches Beispiel zum Anfassen und zum Üben bestens geeignet. Schnell fallen die Begriffe wie „crankshaft“ (Kurbelwelle), „main bearings“ (Hauptlager), „fuel gauge sensor“ (Kraftstoffsensor) und „accelarator“ (Gaspedal), welche bei uns erst typisch in der Berufsschule oder der Ausbildung fallen. Gleichzeitig können hier Öl-, Reifen- oder Bremsenwechsel auf der schuleigenen Autohebebühne vorgenommen werden, um noch mehr Interesse am Fach zu gewinnen. Notiz am Rande: Die hierfür verwendeten Fahrzeuge sind die Autos der Lehrkräfte und der Schüler und Schülerinnen, welche schon teilweise ab 14 oder zumeist mit 15 Jahren mit ihren Pick-Up Trucks an die Schule fahren. Für uns eine völlig neue Welt.




Insgesamt sind die vorhandenen Gegebenheiten völlig anders: Die Kurse „Welding 1 and 2“ (Schweißen Kurs I und II) und „Woods 1 and 2“ (Holzbearbeitung Kurs I und II) finden hier in einer schuleigenen Werkstatt statt. Durch den prozessorientierten Unterricht werden hier wieder zunächst erst die Grundlagen durch typische Schweißübungen gelernt bevor es an die Projekte geht. Erstaunt waren wir, dass die entworfenen Produkte nicht unbedingt schulorientiert, sondern interessengeleitet waren: Hier haben die Schüler alle ein individuelles Jahresabschlussprojekt, beispielsweise ein Tischgestell für ihr eigenes Zuhause oder sogar einen Go-Cart Rahmen! Wir sind uns sicher, dass das Endprodukt mit Motor, Lackierung und Zusammensetzung ein Highlight dieses Jahres wird.






Die Holzbearbeitungsabteilung restauriert zur Zeit ältere, gespendete Möbel. Diese werden abgeschliffen, angepasst, repariert und wieder lackiert. Die Möbel werden dann entweder für die Schule verkauft oder versteigert. Ebenso werden Produkte für gemeinnützige Zwecke gespendet. Die vielfältigen Werkzeuge werden über das Schulbudget finanziert.




Insgesamt ist die Wapello High School mit den Kursen von Mr. Horton von der Theorie bis zur Praxis gut aufgestellt. Die individuellen kleinen Kurse bieten Entfaltungs- und Gestaltungsfreiheit. Um gezielt ihre Produkte zu verkaufen wird vom gleichen Lehrer aus „Sportsmarketing“ (Sportvermarktung), „Sales Marketing“ (Verkauf) und „Introduction in Business“ (Einführung in die Geschäftswelt) unterrichtet. Damit schließt sich der Kreis für Schüler vom Entwurf zum Verkauf. Erkenntnis- und Prozessorientiert – von Planung bis Verkauf – wir sind fasziniert und beeindruckt.
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